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Pressespiegel                                  Evangelische Öffentlichkeitsarbeit

27.6. – 4.7.2016                EKHN Dekanat Wiesbaden / Propstei Süd- Nassau

Wiesbadener Kurier, Wiesbadener Tagblatt, 4.7.2016

„In Dotzheim lebt die Ökumene“

Vom Dotzheimer Bahnhof aus trugen Männer aus den christlichen Gemeinden des Vororts ein großes, schweres Holzkreuz durch die Straßen. Es ist das Symbol des Ökumenischen Kirchentags, der in Dotzheim seit 1984 alle zwei Jahre stattfindet. Ein Arbeitskreis, der mittlerweile aus fünf evangelischen, zwei katholischen (als Teile der Großgemeinde Peter und Paul), einer lutherischen und einer syrisch-orthodoxen Gemeinde besteht, organisiert das Fest, das aus dem Veranstaltungskalender Dotzheims nicht mehr wegzu-denken ist.

„In Dotzheim lebt die Ökumene”, konstatierte der ehemalige Ortsvorsteher Manfred Ernst, der dem Arbeitskreis schon lange Zeit vorsteht. „Wir sind verbunden in Christus.” Und so waren Vertreter aller Gemeinden auch am Kreuzweg und am Gottesdienst beteiligt, bis auf die Orthodoxen, die an diesem Tag selbst das Einweihungsfest ihrer neuen Kirche feierten. „Wir sind eine Familie – verschieden, wie Ge-schwister nun mal sind”, sagte Pfarrerin Sabine Poralla an der Kreuzwegstation ihrer Kirche in Dotzheim Mitte.

Veranstaltung soll Brücken bauen

Dass man mit dem Kreuz auf der Straße vielleicht mittlerweile sogar als „seltsames kleines Grüppchen” wahrgenommen werde, dass es Bürger gebe, die wegen des unerwünschten Einwerfens des Gemeinde-briefes in ihren Briefkasten gar mit dem Anwalt drohten, dürfe die Christen nicht entmutigen. Für sie sei das Kreuz „Beweis für Gottes Handeln”, sagte Poralla. „Seither ist niemand mehr im Leiden allein.” Die Veranstaltung soll Brücken bauen, sagte auch Manfred Ernst.

Unter dem großen blauen Banner mit dem Motto „Selig die Barmherzigen” fand auf dem zentralen Pfarrer-Luja-Platz in Dotzheim dann der Gottesdienst statt. Die vier Geistlichen Sabine Poralla, Katharina Wegner (Erlösergemeinde), Friedrich-Wilhelm Bieneck (Kohlheck) und Jürgen Paul (kath. Gemeinde Peter und Paul) nahmen sich die Bergpredigt und das darin enthaltene Leitmotiv der Barmherzigkeit, die die Menschen gerade in diesen von Krieg und Flucht geprägten Zeiten nach dem Beispiel von Jesus auch untereinander walten lassen sollen, zum Thema. „Barmherzigkeit gehört zu den zentralen Wurzeln des christlich-jüdischen Fundaments unserer Gesellschaft”, so Pfarrerin Wegner.

Es kommt „auf uns alle an“

„Es ist ein warmes Wort. Nicht zuletzt braucht man nur einen Buchstaben auszutauschen, dann heißt es Warmherzigkeit.” Pfarrer Jürgen Paul mahnte diese Haltung auch in der Politik an. „Ohne Barmherzigkeit ist die Welt kalt und zerstörerisch. Es komme „auf uns alle“ an, dass sie nicht so wird, nicht nur auf „die da oben”. Heute werde leider gnadenlos niedergemacht, wer barmherzig ist – das habe auch Kanzlerin Merkel erfahren müssen. Heute heiße es eher: Selig sind die Harten, so Paul, der aufrief, sich einzusetzen, aktiv zu werden und sich dabei nicht als weltfremd schmähen zu lassen.

Zur Erinnerung erhielten die Besucher bunte Stoffbändchen, die sie sich gegenseitig um die Handgelenke binden sollten. Die Kollekte des Tages ging je zur Hälfte an das Kinder-und Jugendtelefon, das in Dotzheim arbeitet und jährlich rund 11 000 Anrufe von Kindern mit unterschiedlichsten Problemen entgegennimmt, sowie an die Flüchtlingsarbeit des DRK in Wiesbaden. Musikalisch gestaltete der Chor „Spirit and Soul“ unter Leitung von Vibeke Nett den Tag.