Sie sind hier: Startseite » Kiez Presse

Aus der Presse:

„Wir wachsen mit den Kindern“
14.11.2012 - DOTZHEIM
Von Beate Rasch
Das KinderElternZentrum (KiEZ) Schelmengraben bietet ein breites Beratungs- und Bildungsprogramm für Familien an
„Rolle, rolle, rolle, der Tisch ist volle. Der Bauch ist leer, kommt alle her, Frühstück muss her!“ Begeistert sprechen Aymen und David, Hand in Hand mit anderen Jungen und Mädchen, den Tischreim nach. Die beiden Dreijährigen sind mit ihren Müttern in die ZusammenSpiel-Gruppe gekommen, die immer mittwochs zwischen halb zehn und viertel vor zwölf vom KinderElternZentrum (KiEZ) Schelmengraben angeboten wird.

„Mein Sohn liebt es“

„Mein Sohn Aymen liebt es, hier zusammen mit den anderen Kindern zu spielen“, erzählt die 29-jährige Marokkanerin Loubna, die die Sprache, obwohl sie erst seit wenigen Jahren in Deutschland lebt, fast akzentfrei beherrscht. Für David sei die Gruppe ein gute Möglichkeit, sich zu integrieren und Deutsch zu lernen, bestätigt auch die aus Russland stammende Natalja Elberg (38), die in ihrer Heimat Betriebswirtschaft studiert hat, ebenfalls sehr gut Deutsch spricht und zurzeit auf der Suche nach einer adäquaten Anstellung ist. Es ist eine bunte, multikulturelle und vor allem fröhliche Runde, die sich hier in den Räumen des Stadtteilzentrums Schelmengraben (Hans-Böckler-Straße 5 bis 7) trifft. Der Spiel-Kreis richtet sich an Eltern, die Kinder im Alter von ein bis drei Jahren haben, und dient der Vorbereitung auf die Kita. „Viele Mütter haben einen Migrationshintergrund. Für uns ist das eine totale Bereicherung, da wir überkonfessionell arbeiten. Jeder ist herzlich willkommen“, betont Manuela Brune-Hernández. In der Tat wird jede der rund acht Frauen mit ihrem Kind oder ihren Kindern mit dem Satz „Schön, dass ihr da seid“ begrüßt. „Sie strahlen dann über das ganze Gesicht, weil sie spüren, dass es von Herzen kommt“, berichtet Brune-Hernández, die in der ZusammenSpiel-Gruppe für die Mütter zuständig ist, während sich eine Honorarkraft um die Kinder kümmert.

Das KiEZ Schelmengraben ist eins von sechs KinderElternZentren, die 2009 vom Amt für Soziale Arbeit an den Standorten Bergkirchenviertel, Biebrich, Erbenheim, Sauerland, Westend und Schelmengraben etabliert wurden mit dem Ziel, Eltern zu erreichen, die die Angebote bestehender Familienbildungsstätten aufgrund ihrer persönlichen und sozialen Situation nicht nutzen. Eine Fachstelle mit Sitz im Amt für Soziale Arbeit koordiniert die Entwicklungen vor Ort und berät die einzelnen KinderElternZentren, die unterschiedliche Träger haben (Träger des KiEZ Schelmengraben ist die Evangelische Familien-Bildungsstätte Wiesbaden). Wie man im „Erfahrungs- und Evaluationsbericht KiEZ Wiesbaden 2009/10“ nachlesen kann, soll das KiEZ Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung unterstützen und ihre Erziehungskompetenz stärken.

Die Umsetzung dieser Ziele findet in enger Kooperation mit verschiedenen, im Stadtteil angesiedelten Institutionen statt. Zu den Netzwerkpartnern des KiEZ Schelmengraben gehören derzeit die Kitas in der Hans-Böckler-Straße, im Friedrich-Engels-Weg und in der Karl-Arnold-Straße, das Stadtteilzentrum Schelmengraben, die Arbeitsgemeinschaft Schelmengraben, das Zentrum für Beratung und Therapie, die Bezirkssozialarbeit und die Evangelische Familien-Bildungsstätte. Aus strategischen Gründen (Stadtteilmitte) befindet sich die Anlaufstelle des KiEZ in den Räumlichkeiten der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde, wo montags von 9 bis 11 Uhr auch eine KiEZ-Sprechstunde stattfindet. „Das Ziel dieser Netzwerkarbeit ist, dass die im Stadtteil bereits existierenden Angebote gebündelt, vermehrt und den Eltern zugänglich gemacht werden“, erklärt Brune-Hernández. Die Eltern werden von den unterschiedlichen Institutionen auf Veranstaltungen aufmerksam gemacht. Kontinuität will die Pädagogin vor allem gewährleisten. Deshalb ist es ihr auch wichtig, zu Fuß oder mit dem Fahrrad im Stadtteil unterwegs zu sein. „Ich zeige so Präsenz, und die Eltern sehen mich. Oft halte ich auch an und suche das Gespräch“, so Brune-Hernández.

Für die Mütter der ZusammenSpiel-Gruppe ist das KiEZ Schelmengraben mittlerweile unentbehrlich geworden. Loubna schätzt vor allem den Austausch über Erziehungsfragen, für den nach dem Frühstück Zeit ist, wenn die Kinder anfangen zu spielen. Toll finden alle Beteiligten auch die kostenlosen Infoveranstaltungen zu Themen, die Eltern wirklich interessieren, beispielsweise „Eltern putzen Kinderzähne sauber“. Dass es Zahnputzlieder gebe, habe sie vorher nicht gewusst, gibt Loubna zu, „damit macht Aymen das Zähneputzen aber jetzt richtig Spaß.“ Zurzeit richte sich das KiEZ-Programm noch an Eltern mit Kindern bis zum 10. Lebensjahr, erläutert Brune-Hernández, „aber in ein paar Jahren, wenn die heute teilnehmenden Kinder dieses Alter überschreiten, können wir uns auch vorstellen, Angebote für ältere Kinder zu konzipieren. Wir wachsen ja sozusagen mit den Kindern mit“, ergänzt sie lachend. „Natürlich sind wir mit unserer Arbeit erst am Anfang, es wird sich noch vieles entwickeln“, resümiert sie. „Wir wünschen uns aber, dass sich auch die Eltern an diesem Prozess beteiligen“, sagt sie, „Ideen werden gerne aufgegriffen, und ehrenamtliche Helfer sind stets herzlich willkommen.“